Schritte ins andere Geschlecht
- Du spürst schon lange, dass du dich im anderen Geschlecht
erleben möchtest. Aber was hat das wirklich zu bedeuten? Begierde? Leidenschaft?
Versprichst du dir eine Flucht aus deiner Lebenssituation? Prüfe das. Pass
auf, was sich bei dir tut, wenn du dich 'umziehst'. Wenn du mit jemand zusammen
wohnst, spricht darüber und macht die Erfahrung gemeinsam.
- Probier es. Es hat keinen Sinn nur zu träumen. Geschlecht erfahren
kann man nicht allein zu Hause. Geh als Mann hinaus. Daran ist nichts verboten
und es gibt keinen Grund dich zu schämen, wenn es ein Teil von dir ist oder
sein kann. Aber suche eher Orte und Veranstaltungen, an denen du dich sicher
ausleben kannst. Vielleicht einen TransX Vereinsabend, TS- & TV Stammtisch,
ein Transgender.at Event, ein anonymes Fest oder auch das LeSwing? Weitere
Infos im
Terminkalender
oder auf
www.transgender.at.
- Jetzt erst kannst du etwas von dem spüren, was in der Gesellschaft
Mann sein heißt. Die anderen Blicke, ja, es gelingt schon ein paar Menschen
zu 'täuschen'. Aber was heißt das für dich? Wie hast du dich erlebt? Was war
anders an in den Vorstellungen, die du dir davor gemacht hast?
- Vertrau dich an: Sprich einmal mit deinen besten Freunden darüber.
Du brauchst Unterstützung, wenn du diesen Weg weiter gehst. Und du brauchst
jeden Ratschlag. Auch verletzende. Wer dir sagt, dass du dich falsch bewegst
ist wertvoller als jemand der darüber hinwegsieht.
- Geh öfters hinaus, so oft wie es für dich passt. Lerne, und
sei nicht enttäuscht, wenn du nicht gleich als Mann wahrgenommen wirst. Auch
Buben brauchen Jahre lang bis sie zum Mann herangewachsen sind. Warum sollte
es bei dir von einem Tag auf den anderen gehen?
- Lerne andere TGs kennen. Erfahre, wo die Probleme stecken und
ob du dir nicht vielleicht über ganz nebensächliche Probleme den Kopf
zerbrichst. Lerne von den Erfahrungen anderer. Informiere dich über Risken
und Wirkungen von Hormonen und über die Operationen.
- Ist es für dich wichtig weiter zu machen? Überlege was für dich
in Frage kommt. Der offizielle österreichische Weg der Geschlechtsanpassung
ist nicht für jede der richtige. Aber wenn er für dich in Frage kommt, ist
es vielleicht langsam Zeit mit einem Therapeuten ins Gespräch zu kommen. Nur:
Lass dir Zeit, du musst dich noch nicht entscheiden.
- Erscheint dir das Ganze so widersprüchlich, absurd? Suche
Antworten auf deine Fragen, kläre es für dich selbst. In Selbsthilfegruppen
und Internet-Foren findest du verschiedene Wege, an denen du dich orientieren
kannst.
- Zeige dich in deinem Bekanntenkreis. Erkläre dich ihnen. Es
ist nicht nötig, dass sie von anderen schräge Gerüchte hören. Aber gib ihnen
nicht das Gefühl, dass sie über dich urteilen sollen. Keine Angst:
Freunde werden dich akzeptieren. Und nicht mit allen muss man gut auskommen.
Manche Menschen würde man damit ohnehin nur provozieren.
- Lerne Mann zu sein, einmal 'ein' Mann, und dann der,
der du wirklich bist. Du merkst, dass sich ein neuer Raum zum Ausdruck deiner
Persönlichkeit öffnet. Füll ihn richtig aus: Pass auf, was deins ist und was
du als Maske vor dir tragen musst, um durchzukommen. Verwechsle es nicht:
Um zu leben musst einmal die Maske ablegen, aber dich nicht!
- Alte Freunde sind eine wichtige Stütze. Aber gerade für sie
ist es am schwersten sich auf deine neue Geschlechtlichkeit umzustellen. Viele
sehen und bezeichnen dich noch als 'sie'. Andere nennen dich nur gerade aus
Toleranz 'er'. Baue einen neuen Bekanntenkreis auf, in dem du dich nur mit
deinem neuen Namen vorstellst.
- Verbringst du viel Zeit damit dich 'herzurichten'? Zweifelst du an deinem
Bart? Mach dir keine Sorgen, wenn wenig spriesst bist du halt rasiert. Viel
wichtiger als Bart und Glatze sind Auftreten und Bewegung. Beobachte deine
Geschlechtsgenossen. Überkreuze im Sitzen nicht die Beine, mach sie breit
und stell sie fest auf den Boden. Sag nicht "Ich glaube ... " sondern
"Ich weiss ...". Und lächle nie.
- Die Zeit des Versteckens ist vorbei. Du trittst fast immer als
Mann auf. Du konfrontierst jetzt auch Menschen mit denen du wenig Kontakt
hattest oder möchtest. Manche werden dich auch jetzt nicht als Mann respektieren.
Manche erst nach einer Operation. Manche nie. Aber das ist ihr Problem. Mach
es nicht zu deinem.
- Es ist dir unerträglich dich noch im alten Geschlecht sehen
zu lassen. Beginne - insbesondere wenn du eine Operation anstrebst - deine
Arbeitsumgebung vorzubereiten. Das offizielle Annehmen eines geschlechtsneutralen
Vornamen kann nützlich sein, damit man deine Veränderung ernst nimmt.
- Eines Tages stehst du vor dem Spiegel und siehst einen Mann.
Eines Tages gibt es keinen Zweifel mehr. Du bist es. Egal wie dich andere
wahr- und falschnehmen. Egal wie du lebst. Du betrachtest dich, und weißt,
das ist ein Mann. Nichts nennenswertes kann das in Frage stellen.
In diesem Moment bist du Mann geworden. Wann immer es passiert,
nach vielen Jahren oder gestern. Du bist es. Nur eben im anderen Geschlecht
Schritte ins "andere" Geschlecht: Ein persönlicher
Erfahrungsbericht
Im vorliegenden Beitrag möchte ich versuchen, den Weg ins "andere"
Geschlecht aus der Sicht einer "Betroffenen" zu beschreiben. Begonnen habe ich
ihn vor etwas mehr als 5 Jahren. Vieles hat sich in dieser Zeit für mich verändert.
Am meisten jedoch die Einstellung gegenüber dem Mythos vom falschen Körper.
Ich weiß, dass ich mit dieser Aussage Widerspruch bei vielen anderen "Betroffenen"
hervorrufen werde. Aber dieser Aufsatz soll eben auch zum Ausdruck bringen,
dass es kein allgemein gültiges Rezept gibt, keine festgelegten Regeln, wie
jene Ausgeglichenheit erreicht werden kann, die das Leben lebenswert macht.
Jeder Mensch muss den für ihn passenden Zugang finden. ...
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Der persönliche Erfahrungsbericht kann als PDF
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